Das Auswärtige Amt in der NS-Zeit
Von: 
Ernst Piper

Das Buch „Das Amt und die Vergangenheit“ (München 2012) entlarvt lange gehegte Legenden. Das Auswärtige Amt war nicht nur kein Hort des Widerstands. Es war auch kein Refugium altgedienter Ministerialbürokraten, die unter einer schlechten Regierung ihr Land nicht im Stich lassen wollten und einfach weiter ihren Dienst verrichteten. Es gab auch keine gezielte Infiltration durch Nationalsozialisten, die war gar nicht notwendig. Kennzeichnend für das Auswärtige Amt war vielmehr die „Selbstgleichschaltung“. Zwischen den Beamten in der Wilhelmstraße und der Regierung Hitler herrschte ein antidemokratischer und ein antisemitischer Konsens, wobei die meist adeligen Diplomaten den traditionellen Oberschichtenantisemitismus vertraten, der weniger radikal war als der genozidale Erlösungsantisemitismus der Nationalsozialisten. Aber beide wollten den „Schandfrieden“ von Versailles überwinden und Deutschland wieder zur Großmacht machen.

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