Kampfbund für deutsche Kultur
Von: 
Ernst Piper
Kampfbund für deutsche Kultur (KfdK) Der dritte Reichsparteitag der NSDAP verabschiedete im August 1927 "kulturelle Richtlinien zur Gewinnung der geistig Schaffenden". Alfred Rosenberg, der sich bereits 1919 Adolf Hitler und seiner Partei angeschlossen hatte, Herausgeber des "Völkischen Beobachters" und vieler anderer Parteizeitschriften war und die Rolle des Chefideologen der NSDAP innehatte, erhielt den Auftrag, eine neue Organisation aufzubauen. Am 4. Januar 1928 wurde zunächst die "Nationalsozialistische Gesellschaft für deutsche Kultur" gegründet. Vorsitzender war Alfred Rosenberg, Schatzmeister Franz Xaver Schwarz, Schriftführer Philipp Bouhler. Weitere Gründungsmitglieder waren Heinrich Himmler und Gregor Straßer. Ab dem 19. Dezember 1928 firmierte die Gesellschaft als "Kampfbund für deutsche Kultur". Sie hatte ihren Sitz in München in der Schellingstraße 50, schräg gegenüber der Redaktion des "Völkischen Beobachters", die Rosenberg ebenfalls leitete. Der Kampfbund war der organisatorische Ausdruck einer Kunstabwehrgesinnung. Er wandte sich heftig, zum Teil auch mit gewaltsamen Mitteln, gegen die künstlerische Moderne. Er sprach das konservative und reaktionäre Bürgertum an und versuchte dabei auch, als überparteiliche Organisation aufzutreten. Zugleich war er eine politische Sozialisationsagentur für die NSDAP. Den Reihen des Kampfbundes entstammten z. B. der spätere Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust und der Staatskommissar für die thüringischen Landestheater Hans Severus Ziegler. Von 1929 bis 1933 wuchs die Mitgliederzahl des Kampfbundes nur von 300 auf etwa 6.000, versechsfachte sich dann aber im Jahr der „Machtergreifung“. Seinen Schwerpunkt hatte der KfdK in München, wo auch sieben der elf Vorstandsmitglieder ansässig waren, darunter die Verleger Hugo Bruckmann und Friedrich Julius Lehmann, die auch frühe Förderer von Adolf Hitler waren. Einen weiteren geographischen Schwerpunkt bildete Bayreuth, das durch Richard Wagners Tochter Eva Chamberlain, seine Stieftochter Daniela Thode, seine Schwiegertochter Winifred Wagner, den Schriftsteller Hans von Wolzogen und den in Freiburg lebenden Wagnerianer Ludwig Schemann, der 1894 die Gobineau-Vereinigung gegründet hatte, vertreten. Zu den korporativen Mitgliedern gehörte der Bayreuther Bund der deutschen Jugend. Adolf Bartels, der ehemalige Weimarer Generalintendant Karl von Schirach und Paul Schultze-Naumburg, der bald zum wichtigsten Redner des Kampfbundes wurde, repräsentierten Weimar. In München hielt der Kampfbund zwischen Februar 1929 und Februar 1932 insgesamt 21 Veranstaltungen ab. Die erste fand im Auditorium Maximum der Universität statt, wo der austro-faschistische Philosoph Othmar Spann über "Die Kulturkrise der Gegenwart" sprach. Ein Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung wurde mit Paul Schultze-Naumburgs Vortrag „Der Kampf um die Kunst“ erreicht, der am 30. Januar 1931 im Auditorium der TH München stattfand. Die Veranstaltung war so überfüllt, dass sie einen Monat später im Theatersaal des Hotel Union wiederholt wurde. Der Architekt und Theoretiker Schultze-Naumburg, Polemiker gegen das „jüdisch-bolschewistische Flachdach“ und Proponent des Heimatschutzstils, war der Starredner des Kampfbundes. Er trat mit seinem Vortrag, der zentral auf die Auseinandersetzung um die künstlerische Moderne zielte, anschließend im ganzen Deutschen Reich auf. Kurz nach Schultze-Naumburg sprach Walter Stang über den „Kampf um das deutsche Theater“ in dem populären Steinecke-Saal in der Amalienstraße. Stang war Dramaturg bei der Münchner Theatergemeinde und Theaterreferent des Kampfbundes. Nach 1933 wurde er Amtsleiter in der Dienststelle des Überwachungsbeauftragten Rosenberg. 1934 wurde der Kampfbund für deutsche Kultur mit den zur Deutschen Bühne e.V. zwangsvereinigten Organisationen Bühnenvolksbund und Verband der deutschen Volksbühne zur NS-Kulturgemeinde zusammengeführt, die der nationalsozialistischen Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ unterstand.
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